Tag 1 - 7.2.2009 - Genua
Nach einer unruhigen Nacht erwachte ich in unserem Hotelzimmer im NH Marina, mitten im Porto Antico von Genua. Sofort ging ich auf den Balkon, um nachzusehen, ob die MSC Fantasia pünktlich eingelaufen und für uns bereit war. Und tatsächlich: da lag sie!
Die MSC Fantasia hatte an der Ponte Andrea Doria festgemacht. In wenigen Stunden würden wir hoffentlich bereits in unserer Kabine 13048 auf dem Arcobaleno-Deck sein, und der Urlaub und die Erholung von unserer zähen Erkältung würden endlich beginnen!
Zuerst gingen wir aber in den Speisesaal des NH Marina zum Frühstück. Die Auswahl beim Frühstücksbuffet war sehr umfangreich, wir waren mit dem Speisenangebot absolut zufrieden. Insgesamt ist das NH Marina ein ruhiges, angenehmes Hotel. Noch mehr freuten wir uns aber über unseren Fensterplatz mit Blick auf die MSC Fantasia. In der Fensterscheibe spiegelte sich die Sopraelevata, die Hochstraße, die den Hafen von Genua entlang läuft, und vermischte sich mit dem Blick auf das riesige Kreuzfahrtschiff; es sah aus, als würden Autos über das Oberdeck der Fantasia rasen.
Zügig beendeten wir unser Frühstück, machten uns reisefertig, checkten aus und fuhren mit dem Auto die wenigen hundert Meter zur Einfahrt in den Hafenbereich bei der Ponte dei Mille. Nachdem wir das Losungswort "MSC Fantasia" gesagt hatten, öffnete der Schrankenwärter die Barriere und ließ uns passieren. Eine Rampe hoch zum Kreisverkehr, über diesen nach links zur Ponte Andrea Doria, und wir waren auf dem Vorplatz des Terminals. Mittlerweile hatte es wieder stark zu regnen begonnen. Links winkten uns Gepäckarbeiter heran, und wir fuhren mit dem Auto rückwärts unter ein Vordach, sodass wir im Trockenen unser Gepäck ausladen und abgeben konnten. Der freundlichen Bitte nach einem Trinkgeld für die Gepäckträger kam ich mit einem 5-Euro-Schein nach.
Da wir einen Parkplatz für unser Auto bestellt hatten, zahlten wir an den Verantwortlichen 120 Euro für 12 Tage, übergaben ihm den Schlüssel und erhielten dafür eine Quittung, die wir am Ende der Kreuzfahrt wieder vorlegen sollten. Sogleich wurde unser Auto von einem Parkservice-Mitarbeiter weggebracht.
Einchecken
Einschiffungs-Nummer 1 - was will man mehr?
Wir betraten das Terminal und wurden sofort von zwei Damen in MSC-Uniform begrüßt mit den Worten "MSC Express?". Da ich diesen Internet-Checkin ja bereits zuhause durchgeführt und alle Kontakt- und Ausweisdaten online übermittelt hatte, bejahte ich. Die Hostess drückte uns einen Aufkleber mit unserer Einschiffungsnummer auf das Jackenrevers - wir hatten die Einschiffungsnummer 1! - und schickte uns nach rechts zum MSC Express Checkin. Hinter einem Tresen saßen MSC-Mitarbeiter, es waren mehr Schalter geöffnet, als Passagiere ankamen - es war gerade 10 Uhr - sodass wir von einer weiteren MSC-Mitarbeiterin sofort zu einem freien Checkin-Schalter geleitet wurden. Wir gaben dem Mitarbeiter unser Ticket-Heft, unsere Ausweise und eine Kreditkarte. Er trennte das Original-Ticket aus dem Heft, erstellte unsere Bordkarten, die fortan als Identifizierungs- und Zahlungsmittel gelten sollten, machte mit einer Logitech-Billig-Webcam ein Foto von uns, und nach nur wenigen Minuten waren wir eingecheckt. Wir durften nun weitergehen in den großen Warteraum. Auf dem Weg dorthin drückten uns freundliche Asiaten bereits Informationen über die Ausflugs- und Getränkepakete in die Hand und wollten uns diese Pakete auch gleich verkaufen.
Im Wartesaal des Terminals gab es eine Erfrischung und Informationen zu Landausflügen und Getränkepaketen.
Auf Englisch erklärte ich ihnen, dass wir bereits bei der Buchung unsere Getränkepakete gekauft hatten; ich merkte aber an der ausbleibenden Reaktion, dass sie mich nicht so recht verstanden. Also gingen wir einfach weiter und nahmen Platz, um auf unseren Aufruf zu warten. Vielleicht 50 weitere Passagiere warteten schon mit uns.
Etwas eine halbe Stunde warteten wir, während sich die Wartehalle immer mehr füllte. Es kamen nun auch schon einige Gruppen, wohl von Transferbussen. Wir setzen uns schon einmal in die Nähe des Ausgangs, um beim Aufruf gleich aufs Schiff gehen zu können. Der kam auch nach wenigen Minuten. Die Passagiere mit der Einschiffungs-Nummer 1 konnten an Bord gehen. Zunächst mussten wir noch durch eine Sicherheitsschleuse, und unser Handgepäck wurde durch einen Scanner geschoben. Anschließend ging es an einem Zollbeamten vorbei, der uns aber gleich durchwinkte, als er die EU-Reisepässe in meiner Hand sah.
Nun wartete auch schon der erste Fotograf, der uns vor einem hölzernen Steuerrad ablichtete. Dann konnten wir endlich das Terminal verlassen, gingen noch ein paar Schritte und betraten über eine Gangway zum ersten Mal die MSC Fantasia. Unsere Bordkarten wurden gescannt, damit waren wir als "An Bord" registriert.
Ein Empfangskomittee wartete bereits auf die neuen Gäste. Ein Boy bekam unsere Karten; er sollte uns zur Kabine führen. Er stieg jedoch zwei Stockwerke zu früh - auf Deck 11 - aus dem Aufzug, mein zaghaftes "No, that's wrong" überhörte er. Dann rannte er den Flur entlang, wir hinterher, bis er seinen Irrtum bemerkte. Er studierte erneut die Bordkarten, meinte "Sorry, sorry", und rannte den Gang zurück zum Aufzug. Nachdem er unsere Kabine 13048 dann doch gefunden hatte, öffnete er sie uns. Ich sagte nur "Thank you", schloss die Tür, und um 11:40 Uhr waren wir auf unserer Kabine angekommen. Etwa 1 1/2 Stunden hatte die ganze Einschiffungs-Prozedur inklusive Wartezeit gedauert.
Kabinenbesichtigung
Die Kabine gefiel uns auf Anhieb gut, allerdings war sie sogar noch etwas kleiner, als wir erwartet hatten. 16 Quadratmeter inklusive Balkon legte ich für zukünftige Reisen als unsere persönliche Untergrenze fest. Links befand sich ein dreitüriger Schrank, hinter den beiden äußeren Türen befand sich je eine Kleiderstange mit Bügeln, oben und unten Regalböden. Auf den oberen Böden lagen die Rettungswesten.
Im mittleren Schrank war auf Augenhöhe ein Einbausafe montiert, darunter gab es Schubladen bis zum Boden. Da wir bereits gelesen hatten, dass es praktisch keine Wandhaken gibt, hatte ich Türen-S-Haken aus Kunststoff mitgebracht, diese hängte ich an die Seite des Kleiderschranks, und so hatten wir einen guten Platz für unsere Jacken.
Rechts im Eingangsbereich befand sich ein Einschub für die Bordkarte. Diese musste man ständig eingesteckt lassen, wenn man sich in der Kabine aufhielt. Zum einen wurden damit Klimaanlage, TV und die Beleuchtung aktiviert, zum anderen wurde dem Steward durch ein kleines Lämpchen außen über der Türe signalisiert, dass sich jemand in der Kabine aufhielt. Neben dem Kästchen befand sich die Eingangstüre zum kleinen, aber angenehm und zweckmäßig eingerichteten Badbereich. Über einem kleinen Einbauwaschbecken war ein deckenhoher Spiegel montiert, in der rechten Ecke befand sich ein Regal mit Glasböden und "Geländern", damit auch bei Seegang nichts herunterrutschen konnte. Sparsam ist MSC mit den Toilettenartikeln, die zur Verfügung gestellt werden: Im Regal fanden wir eine kleine runde MSC-Seife und daneben zwei Duschhauben. Über dem Regal war in der Decke eine Steckdose eingebaut, ein guter Platz für unsere elektrische Zahnbürste. Eher ungewöhnlich war links vom Waschbecken an der Wand ein Flaschenöffner platziert.
Gegenüber dem Waschbecken war das WC an der Wand befestigt, darüber ein Halter für bis zu vier Badetücher. Links davon, zwischen WC und Eingangstür, die Dusche. Eine Glastür gab es leider nicht, nur einen Duschvorhang, der gerne einmal beim Duschen unangenehm an der Haut klebt. Die Armaturen sind vom deutschen Markenhersteller Grohe, die Dusche hat einen Thermostat zur Temperaturvorwahl.
Wandspender für Duschlotion und Shampoo sind vorhanden. Im oberen Bereich der Dusche wurde noch eine ausziehbare Wäscheleine angebracht, die man an der gegenüberliegenden Wand einhängen kann.
Ging man weiter in die Kabine, folgte rechts das geräumige Doppelbett - aus zwei Einzelbetten zusammengestellt, mit Nachtkästchen und Lampen rechts und links. Über dem Bett eine Tagesdecke. Als Bettdecke fungiert - wie in Italien üblich - ein um eine Wolldecke geschlagenes Laken.
Am Fußende des Betts war der recht schmale Durchgang in den "Wohnbereich". Dieser bestand aus einem Sofa rechts, das bei 4er-Belegung zum Bett umgebaut werden kann, einem schweren Messingtisch mit dunkler Rauchglasplatte, und einem Möbel links, das aus einem Schreibtisch mit zwei Schubladen, einem Spiegel, der Minibar und einem Eckregal zusammengefügt war. Unter dem Schreibtisch war Platz für einen Hocker und einen Papierkorb. In der linken Schublade lagen Papiertüten für Schmutzwäsche und Nähzeug, in der rechten Schublade war der Föhn fest eingebaut. Man konnte sich die Haare also nur am Schreibtisch föhnen, nicht in der Nasszelle.
Im Eckregal ganz oben - unter der Kabinendecke - war der Flachbildschirm für TV und die interaktive Bordinformation angebracht. Der verändert leider seine Farben sehr stark, wenn man nicht von vorne darauf blickt, also mit gerecktem Hals davorsteht. Sitzt man auf dem Sofa oder liegt im Bett, lässt die Bildqualität sehr zu wünschen übrig.
Den Abschluss der Kabine bildete eine Schiebetüre, und durch diese gelangte man auf den recht geräumigen Balkon.
Der lud zwar in Genua noch nicht zum Verweilen ein, das sollte sich aber im Verlauf der Reise noch ändern. Jedenfalls war er ausgestattet mit zwei bequemen Sesseln und einem Tischchen. Die Möbel waren mit Kunststoffschnüren im Korbdesign bespannt.
Auf dem Bett lag ein Umschlag, in dem sich die beiden Gutscheinhefte der Getränkepakete, die ich bereits über unser Reisebüro bestellt hatte, befanden. Die Obstschale stand - ohne Inhalt und umgedreht - neben zwei Wasserflaschen auf dem Schreibtisch. Bei den Wasserflaschen kann man sich jederzeit bedienen. Sind sie leer, werden sie gegen volle getauscht. Allerdings kostenpflichtig.
Daneben lag das vierseitige Informationsblatt, das wir während unserer Reise nun täglich erhalten sollten.
Wir lasen:
Genua, 7. Februar 2009
Willkommen an Bord!
Der Kapitän, seine Offiziere, die Mannschaft und Ihre Bordreiseleitung heißen Sie herzlich willkommen an Bord der MSC Fantasia, das Admiralsschiff der Flotte. Es ist uns eine Ehre, Sie als Passagier an Bord zu begrüßen und ich bedanke mich, dass sie MSC für Ihren Urlaub auf See gewählt haben. An Bord befinden sich mehr als eintausend Besatzungsmitglieder, die sich um Ihr Wohl kümmern werden. Ihr Ziel ist es, Ihnen eine Kreuzfahrt zu bieten, die alle Ihre Erwartungen übertrifft. Giuliano Bossi, Kapitän.
Weiter konnten wir dem Infoblatt entnehmen, dass um 16:30 Uhr alle an Bord sein mussten, dass die Abfahrt von Genua um 17 Uhr stattfinden sollte und die Ankunft in Barcelona für den folgenden Tag um 13 Uhr geplant war. Entfernung zwischen Genua und Barcelona: 355 Seemeilen.
Neben vielen Informationen und Inseraten fanden wir auch noch einen Hinweis, dass um 16:15 im Theater L'Avanguardia ein Willkommensgespräch mit Informationen über das Leben an Bord und die Ausflüge stattfinden würde.
Auch zwei weiße Frottee-Bademäntel lagen zusammengerollt auf dem Bett, ein weiteren fand ich im Schrank, an den hochgekrempelten Ärmeln sah ich, dass er benutzt war. Ich machte später den Steward darauf aufmerksam und bat ihn, den Bademantel zu entfernen.
Da unsere Koffer noch nicht auf der Kabine waren, machten wir uns auf zu einem ersten Erkundungsrundgang, der beim Willkommens-Buffet im L'Africana-Restaurant enden sollte. Zunächst fuhren wir mit dem Aufzug von Deck 13 hinunter auf Deck 7, bogen rechts um die Ecke und bewunderten das riesige Theater L'Avanguardia.
Weiter durch Deck 7 Richtung Heck durchquerten wir die schöne Il Transatlantico Piano Bar und kamen zur Manhattan Jazzbar, auf die ich mich schon besonders gefreut hatte. aber noch gab es kein Jazzkonzert.
Weiter gelangten wir zur zentralen Begegnungsstätte der MSC Fantasia, dem mehrstöckigen Atrium mit seinen gläsernen Aufzügen, den Treppen mit Stufen, in die Swarovski-Kristalle eingelassen sind, und der Kaffeebar Il Cappuccino.
Dann ging es weiter durch die Weinbar La Cantina Toscana und den Foto-Shop, bis wir im Heck in die L'Insolito Lounge gelangten. Diese große Bar mit schöner Tanzfläche und Panorama-Fenstern im Heck des Schiffes ist sehr schön ausgestattet, leider hat uns diese Lounge im Verlauf unserer Reise immer nur für wenige Minuten gesehen, denn hier wurde heftig geraucht. Schade, dass gerade der Haupt-Veranstaltungsort für Animationen, Demonstrationen und Tanzkurse als Raucherbereich ausgewiesen wurde, und die Nichtraucher den Tabakqualm ertragen müssen, wenn sie an einer Veranstaltung teilnehmen wollen. Wir konnten und wollten daher viele Unterhaltungsangebote nicht wahrnehmen.
Willkommens-Buffet
Knapp 40 Minuten hatte unsere Schiffsbesichtigung gedauert, nun war es 13 Uhr. Mit dem Aufzug fuhren wir von der L'Insolito Lounge hinauf zum Panoramadeck 14, in das immens große Selbstbedienungs-Restaurant L'Africana, in dem das Willkommens-Buffet angerichtet war. Wir fanden einen schönen Fensterplatz mit Blick auf den Porto Antico. Wegen unserer Erkältung hatten wir aber keinen großen Appetit.
Katrin stellte sich nur einen Salat zusammen, ich probierte verschiedene angemachte Salate: einen Nudelsalat und einen Rindfleischsalat, danach aß ich noch eine Mini-Portion Fisch mit Kartoffelscheiben und schließlich ein Stückchen Kuchen. Alles schmeckte ganz gut.
Nach dem Mittagessen suchten wir den Maitre d'Hotel auf, um zu fragen, was für ein Tisch uns zugeteilt worden sei. Wir wollten gerne alleine an einem Zweiertisch sitzen. Der Maitre d'Hotel hatte Sprechstunde im Business Center auf Deck 5.
Ich fragte ihn, ob unser Tisch 904 zufällig ein Zweiertisch sei. Es meinte, nein, bei dem Tisch handle es sich eher um das Gegenteil, einen Tisch für neun Personen. Darauf fragte ich ihn, ob wir wechseln könnten. Es meinte "Bleiben Sie bitte heute am zugeteilten Tisch und kommen Sie morgen. Dann sehen wir."
Nun denn. Wir schlenderten über das Oberdeck zurück zur Kabine. In der Zwischenzeit waren unsere Koffer eingetroffen und wir machten uns ans Auspacken und Einräumen der Schränke. Wir brachten alles gut unter, die Koffer verschwanden unter dem Bett.
Um 16:15 fanden wir uns zur Willkommens-Veranstaltung im bereits gut gefüllten Theater ein. Claudia, die deutsche Bord-Reiseleitung, stellte das Schiff vor und erklärte, es sei mit etwa 3500 Gästen gut, aber nicht ganz voll besetzt. 2200 Deutsche würden die größte Gruppe an Bord bilden.
Es gab Informationen zum Leben an Bord, besonders zum Gebrauch der Bordkarte, zur Bekleidung, zu den wichtigen Anlaufpunkten wie Rezeption, Ausflugsbüro, Zahlmeister und Bordarzt. Wir hörten auch nochmals, dass am heutigen Abend alle Passagiere den ihnen zugeteilten Sitzplatz einnehmen sollten, Änderungen seien ab dem morgigen Tag möglich.
Nachdem der Informationsteil vorüber war, wurden Informationen zu den Ausflügen angekündigt. Da wir alle Landgänge individuell vornehmen wollten, verließen wir mit vielen anderen den Vortrag, um lieber das Auslaufen der MSC Fantasia aus Genua mitzuerleben, denn es war kurz vor 17 Uhr. Wir liefen durch das Schiff bis zum Heck und fuhren mit dem Fahrstuhl auf Deck 14. Im linken und rechten Bereich befindet sich eine Außentreppe, von deren Zwischenplattformen man gut hinuntersehen konnte. Der Regen war wieder stärker geworden, es war nasskalt und ungemütlich.
Mini-Video
Und die MSC Fantasia wollte und wollte nicht ablegen. Um 17:45 hatten wir bereits 45 Minuten Verspätung und waren das Warten in der Kälte leid. Über eine Schiebetür gingen wir wieder in das Schiff hinein und landeten in der uns schon bekannten Cafeteria L'Africana. Hier fanden wir einen freien Tisch direkt an den großen Panoramafenstern. Wir drehten die Stühle zu den Heckscheiben und hatten somit einen schönen Logenplatz, um das Auslaufen zu beobachten.
Tief unter uns sahen wir die Poller, an denen die MSC Fantasia vertäut war. Zwei Hafenarbeiter warteten in einem Auto, stiegen mehrmals aus und wieder ein. Insgesamt ist die Fantasia im Heck mit vier Tauen festgemacht, von denen die Hafenarbeiter nach und nach alle bis auf das Letzte lösten. Kurz vor 18 Uhr war es dann endlich so weit: Fast unmerklich setzte sich das Kreuzfahrtschiff in Bewegung. Ruhig und langsam entfernten wir uns Meter für Meter von der Kaimauer und sahen zu, wie die Häuserzeilen der Altstadt von Genua allmählich zurückblieben. Aus den Bordlautsprechern ertönte das "Ave Maria" und wir glitten majestätisch aus dem Hafen. Ein wunderbarer Moment, unglaublich schön, an den wir uns noch lange erinnern werden.
Wir gingen zurück in unsere Kabine, ruhten uns noch etwas aus und machten uns dann für das Abendessen fertig; der Dresscode für den Abend lautete "elegant".
Abendessen
Unser erstes Abendessen an Bord nahmen wir in dem uns zugeteilten Restaurant ein, dem Cerchio d’Oro im Heck der MSC Fantasia.
Wir hatten beim Checkin bereits Tisch 904 in der 2. Sitzung zugewiesen bekommen, einen großen 9-Personen-Tisch mitten im Saal, mit entsprechender Geräuschkulisse und offensichtlich direkt über dem Maschinenraum, da man immer wieder ein deutliches Brummen vernahm.
Jeder Abend sollte einen besonderen regionalen Schwerpunkt haben. Am ersten Abend war es die Emilia Romagna.
Wir bestellten als Vorspeise Vitello Tonnato
danach Tortellini in Brodo
anschließend Risotto mit grünem Spargel
dann Hähnchenbrust mit Brokkoli und Möhrenscheiben
und als Dessert aß ich noch ein Orangensorbet
Der Kellner stellte sich als "Andy aus Indonesien" vor. Leider war er ein ziemlicher Langweiler. Bis alle Bestellungen am Tisch 904 aufgenommen waren und endlich die Vorspeise serviert wurde, war es bereits 21:15 Uhr, um etwa 22:40 Uhr waren wir mit dem Essen fertig. Recht spät. Die Gäste an fast allen anderen Tischen hatten das Abendessen bereits beendet und waren gegangen.
Bei der Weinbestellung übersah mich der Kellner, oder ich bekam irgendwie nichts davon mit, jedenfalls war die Weinkarte auf einmal vom Tisch verschwunden. Etwas später bekamen die Tischnachbarn bereits Ihre Weinflaschen serviert.
Da ich nur kurz in der Karte geblättert hatte, bestellte ich den einzigen Wein, den ich mir gemerkt hatte, und der immer ganz genießbar ist, einen "Santa Christina" von Antinori.
Während des Abendessens kam dann ein Oberkellner an unseren Tisch und fragte mic, ob ich die beiden bestellten Getränkepakete erhalten hätte und ob alles damit in Ordnung sei, was ich bejahte.
Allerdings konnte ich nach dem Essen den bestellten Wein nicht aus unserem "Wein Package Superior" bezahlen. Der "Santa Christina" ist nämlich nicht im Paket enthalten. Das Weinpaket besteht aus 7 Weinen, die in einer Liste aufgeführt sind, und jeder der durchnummerierten Bons entspricht einem Wein aus der Liste. Für Bon Nummer 4 bekommt man also Wein Nummer 4 (weiß). Ich hätte also in der Liste, die ich nicht erhalten habe, einen Wein aussuchen müssen, nach der Nummer des Weins sehen müssen, und den Bon mit der gleichen Nummer dem Kellner bei der Bestellung überreichen müssen. Diese Prozedur habe ich aber erst bei dieser Bestellung gelernt, sodass ich für den Santa Christina 23,00 Euro aufs Bordkonto schreiben lassen musste.
Unser Kellner machte weiter einen überforderten Eindruck: Ein Gast musste zweimal sehr lange auf seinen Gang warten, beim Risotto wurde er schlicht übergangen, offensichtlich genervt unterließ er es aber, zu reklamieren. Allein das Bezahlen der Getränke dauerte fast 15 Minuten, da Andy drei Paare gleichzeitig abrechnen wollte, dann aber Gäste und Getränke verwechselte, falsche Bons ausdruckte und diese erst korrigieren musste.
Katrin hatte es an diesem Tisch überhaupt nicht gefallen. Sie meinte nur, wenn wir hier weiter sitzen müssten, würde dies die ganze Kreuzfahrt beeinträchtigen. Ich sah das ähnlich. Also fragte ich nach dem Essen noch einmal den Assistent Maitre nach einem 2er-Tisch. Er meinte, wir sollten am nächsten Morgen zum Frühstück kommen und den Maitre selbst fragen, er sei der Herr des Laptops mit der Tischbelegung.
Wir waren ziemlich müde und nahmen deshalb nur noch einen Espresso im Il Cappuccino ein, danach gingen wir schon in unsere Kabine.
Die Betten waren bereits vorbereitet: Die Tagesdecke war zurückgeschlagen, die großen Rollpolster hatte der Steward vor das Fenster gestellt, die Kopfkissen, die bei unser Ankunft noch im Schrank versteckt waren, waren nun auf das Bett gelegt worden.
Wie die Reiseleiterin Claudia bei der Informationsveranstaltung angekündigt hatte, war nun auch die Obstschale gefüllt, mit Bananen, Mandarinen, Äpfeln und Birnen.
Beim Abendessen hatten wir ja schon deutliche Motorengeräusche vernommen und auch gemerkt, wie das Heck der MSC Fantasia schon deutlich schwankte und schaukelte. Diese Bewegungen wurden immer intensiver, denn draußen wurde es auf unserem Weg Richtung Golf von Lyon immer stürmischer. Erstaunlich fanden wir, dass ein praktisch nagelneues Schiff "knarzte" und "knarrte" wie wir es nur von einem alten Schoner erwartet hätten. Es war die Balkontüre und der Rahmen, die praktisch ständig Geräusche von sich gaben (hier anzuhören [647 KB]
). Mehrfach stand ich auf und schaute hinaus. Wir hatten Vollmond und ich konnte viele Schaumkronen auf den Wellenscheiteln erkennen, immer wieder rauschten Gischt- und Wasserwolken vorbei. Später erfuhren wir, dass wir es mit einen richtigen Orkan mit einer Windstärke von bis zu 150 kmh zu tun hatten. Erstaunlich, dass wir beide die erste Nacht auf einem Kreuzfahrtschiff unter diesen Einflüssen so gut vertragen habe. Katrin meinte sogar, sie hätte bei dem Sturm besonders gut geschlafen.
Erst am Morgen wurde es ruhiger, und dadurch waren auch für mich etwas längere Schlafphasen möglich.
Das Bordinformationssystem zeigte es: Wir waren auf dem richtigen Kurs (den der Kapitan aber wegen Sturms kurz darauf änderte).
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